Einmal hin - alles erlebt

Der Einkauf im Discounter bei Bethel ist nun immer schon ein Erlebnis.

Da will sich ja eigentlich immer mindestens einer aus Prinzip schon von der anderen Seite anstellen.

Er darf.

Die Kassierer geben nach einer Woche die Diskussionen auf.

Wie Lehrer, die spätestens nach dem Praktikum genau das alles durchlassen, weswegen sie sich im Studium noch alle an die Stirn getippt haben.

"Ja, wahrscheinlich werd ich DAS auch mitmachen! Nee, nee, das würd ich ganz anders angehen."

Der Selbsterhaltungstrieb ist auch hier die Vater der Resignation.

Die Extra-Wünsche des Bethelaners sind in einem ICD-Code zu klassifizieren. Es gibt also einen Grund.

Aber letzte Woche durfte ich wieder Kunden einer Filiale eines anderen Marktbegleiters beobachten.

Ich hab mich wirklich bemüht. Eine Erklärung hierfür ist mir aber nicht eingefallen.

Der Erste schlurft also in seinen Puschen am Kaffee entlang. Schön mittig im Gang.

Ich schleiche hinterher.

Ein Überholen scheint möglich, als er mit herunterhängenden Lidern den Instant-Karton erblickt und mit seinem Wagen nach links einschlägt.

Ich setze an, beschleunige, als er ohne Schulterblick wieder in die andere Richtung steuert.

Überspitzt freundlich rufe ich von hinten: "Ääähhhhhhmmm....Entschuldigung?! Darf ich mal bitte vorbei?"

Er stoppt abrupt und schaut sich grimmig um. Keine Antwort.

Ähm, ja, schade....mit Reden ist ja alles so viel einfacher. Und schöner. Wie schön wäre es doch, sich einander mitzuteilen.

Gut, ich drängel mich also freundlich dankend an ihm vorbei.

Ich versuche meinen Ärger zu unterdrücken und denke an die Worte meines privaten Kommunikationstrainers:

Ich hab die einfach so lange zugeblabbelt, bis sie gezwungen war zu lachen, weil sie alles andere schon probiert hatte.

Ich erreiche den Gemüsestand.

Schade, würden die gelben Paprika nicht aussehen, als hätten sie heute schon fünfzig Mal den Gefühlstest durchgestanden, hätte ich ja glatt welche gekauft.

Die sollen ja sehr gesund sein.

Abgerechnet jetzt die Keime, die die Käufer von der Grifffläche der Einkaufswagen auf die Paprika übertragen.

Und das sind so einige! Und was für welche.....man kann es kaum glauben!

Es gibt einen abgepackten Mix aus Roten, Gelben und Grünen.

Das ist dann wohl meiner.

Der Mittigfahrer taucht neben mir auf.

Er muss kräftig husten, während er über dem Paprikakarton hängt und eine nach der Anderen in die Hand nimmt.

Ich stehe staunend daneben.

Er nimmt keine Notiz von mir. Fühlt sich nicht beobachtet oder unangenehm erwischt.

Zwischendurch wischt er sich schniefend über Mund und Nase und grabbelt dann weiter.

Ich mache mich schnell zu den Nudeln auf.

"Ähm....nee, ich meine, wie muss denn das Hemd verpackt sein, wenn ich es zurückbringe?!"

Der übergewichtige, schwitzend schnaufende Mitarbeiter geht einen Schritt auf den unentschlossenen Kunden zu.

"Welche Größe haben Sie denn?"

Der Kunde hält ein Handy an sein rechtes Ohr. Er nuschelt etwas hinein und spricht dann wieder zum Verkäufer, "Ääähhh...so...43 muss ich haben, ungefähr. Aber manchmal sitzen die nicht, wenn ich die so mitnehme."

"Aber das is´ja hier 43.", der Mitarbeiter nimmt ihm das in Folie eingepackte Karo-Hemd aus der Hand.

Er trägt dreckige Schutzhandschuhe.

Die Perlen auf seiner Stirn und im Nacken zeugen von Arbeit im Lager und das Neubestücken der Verkaufsflächen.

Er dreht das Hemd, inspiziert das Etikett und streckt es wieder dem Handy-Mann entgegen.

Die Frau vom Handy-Mann läuft auf ihren glitzernden Heels kaugummikauend den Gang entlang.

Der Mitarbeiter schiebt seine heruntergerutschte Brille mit dem Handschuh wieder hoch und zieht dann mit beiden Händen an dem Bund seiner Jeans.

Über den Bauch kommt er nicht, aber er hat dabei wenigstens nicht die Beine so auseinander gespreitzt.

Wenn die Hose nicht richtig hoch kommt, weil vielleicht zu wenig Stoff dran ist, dann werden die Oberschenkel häufig zu Hilfe gezogen.

Sieht immer besonders vorteilhaft aus.

"Ja, aber ich sag mal so, wenn das jetzt nicht gut aussieht, kann ich das zurückbringen, ne?", der Handy-Mann steckt das Handy in seine Hosentasche und kramt mit den Fingern noch ein bisschen in der Tasche herum.

"Ja, nee, aber das passt Ihnen, das sieht man ja.", der Mitarbeiter zeigt nochmal nickend auf das gute Karo-Stück.

Er zeigt gerade wirklich die große Bandbreite seiner Qualifikation.

Der Huster schiebt sich wieder in meine Richtung. Dabei nimmt er alle 30 Zentimeter einen Artikel der Sonderangebote in die Hand und wirft ihn dann wieder uninteressiert zurück.

Ich beschließe meinen Einkauf vorschnell abzubrechen. Ich greife noch eine Packung Nudeln, eine Flasche Prosecco und steuere auf die Kasse zu.

Auf einen Einkaufswagen habe ich verzichtet.

1 Kommentar 28.10.10 20:55, kommentieren

Flurfunk

Meine Kollegin A stützt eine Hand in die Hüfte:

"Naja, ich mein, 28 ist 28, ne.... So langsam muss man schon gucken. Du musst n Jahr rechnen, dann fragt er dich hoffentlich, in Anbetracht deines Alters, und dann vergeht ja noch n Jahr. Bis das alles so geplant ist. Und dann haben wir schon 2012 und schwupps biste 30."

Kollegin B schubst mich von der Seite an:

"Hehe, kannst dich schonmal drauf gefasst machen, dass du ab 2013 hier allein in der Abteilung sitzt."

Sie grinst mich breit an.

Ein perfekter Automatismus bewirkt ein Anheben meiner Mundwinkel.

"He,he..", zwänge ich heraus.

Wieder Kollegin A:

"Du, ganz ehrlich, die beiden aus der Perso machen das ja auch schon seit Jahren. Die teilen sich eine Stelle und werden immer abwechselnd schwanger. Garantiert dir ja keiner, dass du deinen Platz so wieder bekommst."

Kollegin B:

"Klar! Würde ich auch so machen!" Heftiges Nicken.

Kollegin A macht die Kühlschranktür auf und nimmt eine geöffnete Milchpackung mit dem Namen "Karin" heraus.

Sie schüttet einen kräftigen Schluck in ihre Kaffeetasse.

Karin ist meines Wissens die blonde Frau aus der Buchhaltung.

Ihre Stoffhosen sind immer ein wenig eng um den Po.

Kollegin A stellt Karin´s Milch zurück und wir schlendern aus der Teeküche Richtung Büro zurück.

Auf dem Rückweg fällt mein Blick auf die DinA4 - Seite an der Eingangstür. Ein Kollege hatte eine Collage gebastelt.
Darauf stand:

Achtung, die Bürowache bittet um Ihre Mithilfe!

Am Montag, den 04. Oktober 2010 wurde ein roter Schokoriegel aus der Tür des Kühlschranks entwendet.

Der Raub fand in der Zeit zwischen 08:30 und 14:00 Uhr statt.

Der Täter könnte sein Äußeres inzwischen durch eine Brille oder ein Baseball-Cap verändert haben.

Sachdienliche Hinweise bitte im Büro 3.107 abgeben!


Wenn die hier alle schwanger werden, stell ich die Babys vielleicht mal beim Umherzeig-Bürobesuch in der Küche ab. Zufällig.

19.10.10 21:21, kommentieren

Kult am Markt

Die Veranstaltung hieß "Karneval der Kulturen".

Wir hatten einen guten Platz erwischt und saßen auf dem sonnigen Marktplatz.

Bald würde es losgehen.

In einem Cafe gegenüber saß eine Frau in einem hochfloralen Kleid.

Das wirre Muster passte irgendwie zu der Haarpracht.

Der entsprechende Gatte hatte ein marinefarbenes Jacket lässig über die Schultern geworfen. Darunter ein weißes Hemd.

Noch weiße Handschuhe und ne Kapitänsmütze, dann wäre ich wohl zum Spalier gesprungen.

Die blumige Holde Ende vierzig brachte sich in Position.

Auf Teneriffa sieht man genau diese Stellung wie den Sand am Meer.

Tief in den Stuhl gerutscht, Füße parallel auf den Boden, Knie angewinkelt. Das Kinn ist der Sonne entgegengestreckt, die Augen hinter der Sonnenbrille geschlossen.

Wenn die Sonne sich dreht, drehen sich die Stühle an der Poolbar mit.

Und dann einfach sitzen und braten.

Unsere Sonnentochter hatte ihr Kleid bis zum Oberschenkel hochgerafft.

Freier Blick auf: letzte Woche rot lackierte Fußnägel in schwarzen Sandaletten und die Einstellung, dass man ab spätestens Mitte / Ende vierzig keine Zeit mehr für Rasuren verschleudert. Wofür auch?

Ich sah nochmal zum Captain. Wahrscheinlich hatte sie Recht.

Sie hatte die Beine zu weit auseinander gestellt.

Nochmal freier Blick.

Ein anderer vorbeilaufender "Love Tunnel" dokumentierte eine weitere Angewohnheit dieser Lebensphase.

Manche Frauen tragen ihre Hosen so hoch, dass ihre beste Freundin ganz hin- und hergerissen ist.

Auch irgendwie seltsam.

Das Männchen dieser Verpartnerung hatte ein T-Shirt mit einem Spruch darauf gewählt.

Der Träger seines Rucksacks versperrte den Blick auf die komplette Mitteilung, aber ich konnte das Wort "Perfect" lesen.

Mich hatte somit sicherlich das Wesentliche seiner Botschaft erreicht.

Am Nebentisch ließen sich zwei Damen nieder. Offenbar eine Mutter mit ihrer Tochter. Beide voll ausgewachsen.

Die Tochter trug die Haare offen, dazu ein breites Haarband mit einer raffinierten Raffung am Haaransatz.

Dazu ein langer Rock - wieder im Blumendesign - und ein Top.

Auch sie trug Riemchensandaletten. Genau genommen handelt es sich ja hier um eine sehr frühe Form von Römersandalen.

Wobei an sich wohl die Römersandale selbst die Frühste in der Reihe war.

Interessant, dass zweckmäßige Kleidung alter Kulturen heute als trendy durchgeht.

Die Römer würden sich wohl im Grabe drehen.

Gut, da landen wir auch direkt bei Fellwesten und Overkneestiefeln. Auf in die Arena! Das Leben ist ein Gladiatorenkampf!

Zurück zum Familientisch.

Die Tochter drehte sich eine Zigarette.

Einige Minuten später fragte ein Pärchen etwa gleichen Alters wie die Tochter, ob sie sich hinzusetzen dürften.

Er hatte ein klassisches Rauchergesicht. Und klassische Raucherfingerkuppen.

Als seine Frau entweder zur Toilette ging oder Kuchen an der Theke aussuchte, nutzte er sofort die Gunst der Stunde:
"Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor.."

Die Tochter freudig über den Tisch gelehnt: "Ja? Hm....ich wüsste jetzt gar nicht......"

Ja, was sollte die Gute auch wissen, ne.

Er schüttete gleich nach: "Also, ich hab Sozialpädagogik hier studiert. Gewohnt hab ich früher in...."

Da hatten wir es wieder. Die Sätze werden gewählter mit den Semestern, aber von der Thematik her ist es immer dasselbe.

Ich musste schmunzeln.

Der "Karneval der Kulturen" fing gar nicht zu spät an, wie irgendwann bemerkt.

Wir saßen schon mittendrin.

1 Kommentar 9.6.10 21:46, kommentieren

Keine Frage der Größe

Haben Sie sich schon einmal eine halbe Stunde Zeit genommen, um in der Ikea Kinderabteilung das Geschehen zu beobachten?

Es lohnt sich.

Also ich meine jetzt nicht die umherlaufenden, polternden Kinder oder die umherirrenden Eltern dazu.

Ich meine etwas viel Ursprünglicheres.

Direkt am Eingang zur Abteilung steht ein eierförmiger kleiner Sessel mit Verdeck.

Da ist er!



Schon mal gesehen?

Und schon mal mit Inhalt gesehen?

Stellen Sie sich kurz an die Seite und beobachten Sie.

Einer der männlichen Besucher in dieser halben Stunde wird es tun.

Er wird einsteigen.

Zunächst geht er dran vorbei und mustert erstmal.

Dann bleibt er stehen. Geht einige Schritte zurück und mustert nochmal von Nahem.

Dann wird er mit einem Blick über die Schulter seine Frau oder Freundin suchen.

Die schiebt verträumt den Wagen im Schneckentempo schön mittig den Gang entlang.

Er riskiert es und verringert weiter den Abstand zwischen ihm und dem tollen Ding.

Halbe Drehung, mit dem Arsch voran.

Als er merkt, es wird eng, fängt er an zu grinsen.

Ein freudiges Grinsen. Wie eine Art Vorfreude.

Seine Frau / Freundin dreht sich langsam suchend um sich selbst.

Sie sieht zwei- dreimal an ihm vorbei, weil ihr das Gehirn meldet "zu großes Objekt presst sich in zu kleinen Behälter", was die letzte Synapse übersetzt mit "Kann deiner nicht sein".

Er ist mittlerweile mit viel Arbeit fast drin.

Er lacht sich kaputt.

Sie bemerkt ihn schließlich und geht kopfschüttelnd auf ihn zu.

Die Männer, die an ihm vorbeilaufen, lachen, ihre Frauen gucken ungläubig.

Dann berührt der Schlangenmensch im PS Lömsk endlich mit dem Rücken die Hinterwand des Sessels.

Toll.

Er grinst wieder als er zum Verdeck über sich greift.

Er zieht den Kopf ein und stülpt sich den Ballonstoff über die Halbglatze.

Schließlich gucken nur noch Unterschenkel und ein Paar schwarze Memphis in Größe 43 aus dem Ei.

Seine Frau / Freundin geht weiter.

Er lacht sich kaputt.

8.5.10 21:42, kommentieren

Adressbuch

Im Handy eines Kumpels heißen die Leute:

Susi Eis

Manuela Sport

oder Jessica Aral

Hm.... richtig, nur Frauen.

Also, es gibt auch Männer, aber die heißen normal.

Im Handy einer Frau sind solche ungewöhnlichen Einträge eher unwahrscheinlich.


Ich hab das erzählt. Neulich am Frühstückstisch.

Jetzt weiß ich, dass richtige Profis auf "Mailbox" zurückgreifen.

Sprecht einen Mann in eurer Umgebung drauf an.... er wirds lustig finden.

Ich habs probiert. Sie lachen sich kaputt.

Er hat es sicher auch schon gehört, aber das ist ihm natürlich nur mal vom Masseur eines Kollegen erzählt worden...und der weiß es auch nur von nem Bekannten.



Frauen denken ungefähr das:





Aber liebe Männer, aufgepasst!

Im Telefonbuch eurer Frauen versteckt sich vielleicht auch hinter

Jana Meier

ein

Jan Elektrik


1 Kommentar 23.2.10 21:35, kommentieren

Wilde Mädchen

Männer beschweren sich über betrunkene Frauen.

Sie seien unattraktiv: "Besoffene Weiber gehen gar nicht!"

Ja, ja... *gähn*... die glauben doch nicht wirklich, wir nehmen das ernst?!

Sie haben vielleicht bloß Angst, dass wir Gefallen dran finden und und uns gegen den selbstverständlichen Fahrdienst wehren.

Oder sie schieben uns schnell in ´ne andere Richtung: "Deine Kollegin ist total betrunken. Die ist dann immer so billig."

Ja! Mag sein. Und jetzt willst du mir erzählen, dass du das totaaaal ätzend findest und das nicht mehr angucken kannst?

Sagen wir es mal so: Wenn ich etwas toll finde, und das hat zufällig was mit einem anderen Mann zu tun, dann bleib ich ja auch nicht davor stehen und glotze.....mit meinem Freund an der Hand.

Also bitte....

Wie bin ich eigentlich darauf gekommen?

Eigentlich hab ich nur eine sehr schöne Geschichte von einem befreundeten Pärchen gehört.

Es ist der Morgen nach einer Party.

Sie sitzen am Frühstückstisch.

Sie reibt sich die Schläfen.

Er schlürft die dritte Tasse Kaffee.

Sie ganz erschrocken: "Du, sag mal, ich überleg grad......du hättest, glaub ich, gar nicht mehr fahren dürfen gestern."

Pause

Sie wieder vorwurfsvoll: "Ich hab mal drüber nachgedacht....du hattest mehrere Gläser Wein...."

Er sieht sie völlig ungläubig an.

Sie wieder: "Oder nicht?"

Er: "Schatz, du bist gestern gefahren...."


Bei unserer letzten Party hatte meine Freundin einen Pegel erreicht, der es zuließ, mit einer geliehenen groooßen Brille und zerzausten Haaren alias heißer Sekretärin auf ihren High Heels durch die Menge zu schreiten.

Ich musste hinter ner Säule stehen und gucken, wer so guckt.....



Erfrischend ehrlich fand ich meinen Freund, der gar nichts gefaselt hat von wegen "Gott, war die betrunken."


1 Kommentar 23.2.10 21:12, kommentieren

Wilde Zeiten

Mir ist heut mal wieder von einer skurrilen nächtlichen Anmache in einer Diskothek berichtet worden.

Die Quelle ist absolut glaubwürdig, daher spiele ich die Geschichte in Gedanken schon den ganzen Nachmittag ab, um mir ein Bild von der Protagonistin zu machen.

Bisher fehlt mir noch der Durchblick...

Aber mir fiel dabei meine schlechteste Anmache wieder ein.

Komisch....mir wäre es lieber, ich hätte eine andere Geschichte behalten, denn der Hauptdarsteller von damals war alles andere als prestigeträchtig. Aber ich kann nichts machen, er lieferte einfach die beste Situation. Er blieb im Gedächtnis.

Und dabei war ER selbst eigentlich zu klein, um überhaupt aufzufallen.

Ich stand in unserem Stammladen von damals nah an der Tanzfläche und hörte bloß auf die Musik.

Die Jungs unserer Clique hatten sich auf der Tanzfläche versammelt um den Männertanz "Pogen" auszuführen.

Den tieferen Sinn hab ich bis heute nicht verstanden. Auch Wikipedia kann mir das nicht einleuchtend vermitteln. Wenigstens weiß ich jetzt, was Slamdance, Moshing oder Wrecking bedeutet. Vielleicht ist das mal nützlich für den Jauch.

Ich stand also am Rande der Tanzfläche. Der Laden war total verraucht. Ich klebte mit meinen Golas am Boden fest.

Jeden Freitag schlugen wir uns dort also die Nächte um die Ohren - und es war geil. Jeden Freitag feierten wir quasi eine nie enden wollende Abiparty.

Also: Rand der Tanzfläche.

Ich hatte noch meine Klamotten von morgens in der Schule an. Style interessierte da herzlich wenig.

Durch die Nebelwolken bemerkte ich, dass einige Meter vor mir ein Typ stand und mich anstarrte.

Schon auf den ersten Blick war das einer, durch den du angestrengt hindurchsiehst.

Vielleicht hast du Glück und er zieht ab.

Dieser hatte allerdings Ehrgeiz entwickelt.

Er kam langsam auf mich zu.

Ich zog an meiner Zigarette und starrte schräg über seinen Kopf hinweg.

Bitte, bitte, bitte geh an mir vorbei! Bitte!

"Hey du!", er kam leider vor mir zum Stillstand. Da bemerkte ich, wie klein er war.

Er hatte vorher auf der Tanzfläche gestanden. Die war zwei Treppenstufen von meinem Standpunkt entfernt.

Aber jetzt, so Gesicht zu Haaransatz gesehen, fiel sein mangelndes Ausmaß doch durchaus ins Auge.

"Na, so allein hier?", er beugte sich wieder sehr weit vor und steckte fast mit seiner Oberlippe in meinem rechten Gehörgang.

Ha! Ich allein hier, wenn du wüsstest...

Überrascht war ich über diesen Spruch eigentlich nicht.

Der Typ sah schon so aus, als würde er sowas oder ganz ähnlichen Schwachsinn quatschen.

Er hatte also die Erwartungen soweit schon mal erfüllt.

Bis hierher also alles normal. Aber dann kam ne echte Innovation:

Ich starrte ihn ungläubig an. Wie lange er wohl auf ne verbale Reaktion meinerseits warten würde?

Ich zog nochmal an meiner Zigarette und schaute genervt an ihm vorbei.

Und dann sein Auftritt:

"Weißt du, an welchen Buchstaben des Alphabets du mich erinnerst?"

Ha! Ein klassischer hab-ich-von-meinem-Kumpel-Anmachspruch!

Das war ja schon wieder cool. Die gabs nicht mehr oft.

Ich war gespannt. Eigentlich dachte ich, selbst der letzte Idiot hätte gerafft, dass er davon die Finger lassen sollte.



Aber gut. Also Kleiner, dann schieß mal los:


Ich: "Ne?!"

Er kriecht wieder in mein Ohr und haucht mir langsam entgegen:


" Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!"



Ich hatte den besten Lachanfall seit gaaaanz langer Zeit und konnte nur noch brüllend an ihm vorbei in Richtung meiner Freundin wanken, um ihr gleich brühwarm davon zu erzählen.

Obwohl er für seinen außergwöhnlichen Text eigentlich ein bisschen Anerkennung verdient hätte, hab ich natürlich trotzdem mit dem Finger auf ihn gezeigt. Meine Freundinnen fanden es genauso witzig.

Innovation hin oder her, es war immer noch n Anmachspruch. Strafe muss sein.

2 Kommentare 20.2.10 21:19, kommentieren